Wer war
WILHELM SCHICKARD?


Wilhelm Schickard, nach dem das Institut für Informatik an der Universität Tübingen benannt ist, erfand und baute um 1620 die erste (urkundlich erwähnte) mechanische Rechenmaschine.


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Biografie


Wilhelm Schickard (1592-1635) Wilhelm Schickard wurde am 22. April 1592 in Herrenberg geboren. Er besuchte die Lateinschule in Herrenberg, das fürstliche Alumnat in Bebenhausen und kam dann in das theologische Stift Tübingen - der übliche Bildungsweg für einen Theologen. Bereits im Jahr 1614, mit 22 Jahren, war er Diakon in Nürtingen.

Neben den kirchlichen Pflichten beschäftigte er sich intensiv mit alten Sprachen, Astronomie und Mathematik. Im Jahr 1617 begann eine lange währende Freundschaft mit dem zwanzig Jahre älteren, in Linz lehrenden Johannes Kepler. Dieser lobte Schickards sowohl wissenschaftliche als auch praktische Fähigkeiten und nannte ihn einen "Beidhändigen Philosoph".

Der württembergische Herzog Friedrich setzte sich 1619 für eine Professur Schickards an der Universität Tübingen für Hebräisch ein. Im Jahr 1631 wurde ihm auch die Professur für Mathematik (Astronomie) übertragen. In dieser Zeit erbrachte er spektakuläre technische und wissenschaftliche Leistungen. Er erdachte Modelle, die er in detaillierten Schriften und Skizzen festhielt. Von ihm stammen Betrachtungen zur hebräischen Grammatik ebenso wie Kartographische Landesaufnahmen zur Vermessung Württembergs. Er konstruierte neben dem Handplanetarium auch die Rechenstäbchen und die berühmte "Rechenuhr".


Schickards "Rechenuhr" als Nachbau
im Deutschen Museum München
Lange vor Pascal und Leibniz erfand er 1623 damit eine mechanische Rechenmaschine, die bereits Addition und Subtraktion beherrschte. Ihre Besonderheit ist der automatische Zehnerübertrag. Multiplikation und Division waren jedoch nur unter der tätigen Mithilfe des Benutzers möglich. Bei der Multiplikation etwa mußte der Benutzer die Teilprodukte mit Hilfe von Neperschen Rechenstäben bestimmen und diese dann in das sechsstellige Summierwerk zum Addieren eingeben.

Das einzig vollendete Exemplar ging in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verschollen, eine zweite Ausführung, die Schickard für seinen Freund Johannes Kepler zur Berechnung der komplizierten Planetenbahnen in Auftrag gegeben hatte, wurde bei einem Brand vernichtet. Anhand von Zeichnungen und Beschreibungen aus den Nachlässen Schickards und Keplers rekonstruierte der Tübinger Professor B. v. Freytag-Löringhoff in den Jahren 1957 bis 1960 die Schickardsche "Rechenuhr" und stellte ihre Funktionstüchtigkeit unter Beweis.

Während des Dreißigjährigen Krieges hatten die kaiserlichen Truppen die Pest nach Tübingen und Herrenberg mitgebracht. Wilhelm Schickards Frau und drei seiner Töchter starben an dieser Seuche. Am 24. Oktober 1635 erlag auch er, erst 43 Jahre alt, zusammen mit seinem neunjährigen Sohn dieser Krankheit.




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Letzte Änderung: 10.12.1999
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